Atomenergie

Dienstag, November 09, 2004

 

Trauer

Ein Protest voller Trauer, aber ohne Resignation

Anti-Atom-Proteste werden weitergehen, solange Atomkraftwerke am Netz sind

Der diesjährige CASTOR-Transport nach Gorleben, der heute früh ins Zwischenlager eingerollt ist, wird sich als Todeszug ins Gedächtnis der Bewegung einprägen. Am vergangenen Sonntag hatte der Zug den Atomkraftgegner Sébastien Briat, der sich an einer Protestaktion gegen den Atommüll-Transport in Lothringen beteiligt hatte, überrollt und tödlich verletzt. Dieser Unfall hat auch bei ROBIN WOOD alle tief getroffen und Spuren hinterlassen.

Der wendländische Widerstand gegen den atomaren Wahnsinn war in den vergangenen Jahren immer entschlossen, zugleich aber auch bunt und fröhlich gewesen. Genauso hatte er in diesem Jahr begonnen. Mit einer eindrucksvollen Demonstration protestierten am vergangenen Samstag mehr als 5.000 Menschen in Dannenberg gegen den Atommüll-Transport. Seit Sonntag Nachmittag bestimmten Trauer und Entsetzen die Protestaktionen. Doch es ist eine Stärke der Bewegung, dass diese Trauer nicht in Resignation oder Verbitterung umgeschlagen ist. Mit zahlreichen friedlichen Aktionen, Mahnwachen, Andachten und Trauerkundgebungen haben die Menschen entlang der gesamten Transportstrecke deutlich gemacht, dass ihr Widerstand gegen die Nutzung der Atomenergie weitergeht. Nach dem Tod von Sébastien Briat aber wird kein Atomtransport mehr so sein wie bisher.

Sein Tod hat die Öffentlichkeit neu aufgerüttelt und das Augenmerk auf die unverantwortliche und lebensverachtende Atompolitik der Regierungen und Konzerne gelenkt. "Es darf jetzt keine Rückkehr zum Alltagsgeschäft geben. Die Debatte über den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie, insbesondere in Deutschland und Frankreich, gehört jetzt auf die politische Tagesordnung ", sagte Jürgen Sattari, Vorstandssprecher von ROBIN WOOD.

Wie schon in den vergangenen Jahren hat das Wendland einen polizeilichen Belagerungszustand erleben müssen. Wieder gab es Grundrechtsverletzungen, Einschränkungen der Versammlungsfreiheit, der Pressefreiheit und zuletzt auch massiven Einsatz von Gewalt durch die Polizei. Hieran darf sich niemand gewöhnen. Deshalb ist es so wichtig, dass Menschen überall - so beharrlich und mutig wie hier im Wendland - ihre demokratischen Rechte immer wieder neu erstreiten.


Quelle:ROBIN WOOD e.V. 9.11.2004

Montag, November 01, 2004

 

Atommüllproduktion

Symbolische Atommüll-Lagerung vor dem niedersächsischen Landtag

ROBIN WOOD fordert sofortigen Stopp der Atommüllproduktion und kündigt weitere Proteste gegen den anstehenden CASTOR-Transport nach Gorleben an

ROBIN WOOD-AktivistInnen haben heute auf dem Vorplatz des niedersächsischen Landtags symbolisch Atommüll abgeladen. Sie stapelten dort rund zwei Dutzend gelbe, mit Radioaktivitätszeichen gekennzeichnete Fässer, um gegen den für kommende Woche geplanten Atommülltransport zu protestieren. Den Bundespräsidenten Horst Köhler, der heute Vormittag Hannover besuchte, forderten sie auf, sich nicht nur mit den Schokoladenseiten des Landes zu befassen, sondern auch mit den Plänen, Gorleben zum "Atomklo" zu machen.

ROBIN WOOD wendet sich dagegen, dass weiterhin Atomstrom produziert wird, obwohl es bislang - weder in Gorleben noch anderswo - ein sicheres Endlager für den Strahlenmüll gibt. Jahr um Jahr erhöht sich durch den Weiterbetrieb der Atommeiler in Deutschland die Atommüll-Menge. Ende des Jahres 2000 waren hierzulande bereits 8.400 Kubikmeter hoch radioaktive Abfälle entstanden. Im Jahr 2025 wird der Müllberg mit 24.000 Kubikmetern fast dreimal so groß sein. Solange sollen laut "Atomkonsens" Atommeiler am Netz bleiben dürfen.

Obendrein versuchen PolitikerInnen von CDU/CSU und FDP zurzeit, eine "Renaissance" der Atomkraft herbeizureden. Mit auf dieser Welle schwimmt der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). "Umweltminister Sander setzt sich für einen unbefristeten Betrieb der Atommeiler ein - ganz nach dem Prinzip: Nach mir die Sintflut", sagt Bettina Dannheim, Energiereferentin von ROBIN WOOD. "Außerdem hält er an Gorleben als Atommüll-Deponie fest. Das ist verantwortungslos."

Denn der Salzstock in Gorleben ist an vielen Stellen stark zerklüftet und von Rissen durchzogen. Würde dort Atommüll eingelagert, könnten durch diese Risse radioaktive Partikel nach oben ins Grundwasser gelangen. Menschen und Tiere würden radioaktiv verseucht. "Gorleben ist als Endlager ungeeignet", so Dannheim. "Wir fordern die niedersächsische Landesregierung und die Energiekonzerne auf, endlich ihren Widerstand gegen eine neue Standortsuche aufzugeben."

ROBIN WOOD-AktivistInnen werden sich in der kommenden Woche an den zahlreichen Protestveranstaltungen im Wendland beteiligen, um sich dagegen zu wehren, dass in Gorleben durch die Anlieferung weiteren Atommülls Fakten geschaffen werden. Auf der Esso-Wiese in Dannenberg wird ROBIN WOOD - gemeinsam mit vielen anderen AtomkraftgegnerInnen - mit einem Info-Mobil vertreten sein. Außerdem soll in Quickborn das ROBIN WOOD-Baumhaus errichtet werden - mit freiem Blick auf die CASTOR-Strecke nach Gorleben.


Quelle:ROBIN WOOD e.V. 1.11.2004